Material entscheidet mit darüber, ob ein Kleidungsstück nur einen Moment begleitet – oder viele Jahre. Es bestimmt Tragegefühl, Fall, Pflegeaufwand und die Art, wie ein Teil altert.
Bei NNIstudio arbeiten wir bewusst mit wenigen, ausgewählten Materialgruppen: Wolle (inklusive Cool Wool), Merinowolle (mulesingfrei) für Strick, Leinen, Bio‑Baumwolle und regenerierte Zellulosefasern wie Viskose, Modal und Lyocell – häufig als TENCEL™ Lyocell von Lenzing.
Jede dieser Qualitäten bringt eigene Stärken mit. Ihr Zusammenspiel bildet die Grundlage für einen ruhigen, langlebigen Kleiderschrank.
Merinowolle & Wolle – natürliche Thermoregulation
Merinowolle und andere feine Wollqualitäten sind natürliche Allrounder. Merinowolle stammt von Merinoschafen, deren Fasern besonders fein und weich sind. Cool Wool und andere leichte Wollqualitäten entstehen oft aus fein gesponnenen Garnen und Geweben, die Wolle auch in wärmeren Situationen tragbar machen.
Eigenschaften von Merinowolle und feiner Wolle
- temperaturregulierend: sie hält warm, wenn es kühl ist, und wirkt ausgleichend, wenn es wärmer wird.
- atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend: Wolle kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne sich nass anzufühlen.
- geruchshemmend: dank natürlicher antibakterieller Eigenschaften nimmt Wolle Gerüche langsamer an und gibt sie beim Lüften wieder ab.
- weich (bei Merino und feinen Qualitäten): feinere Fasern sorgen dafür, dass sich der Stoff ruhiger auf der Haut anfühlt, häufig auch bei sensibler Haut.
- natürlich und biologisch abbaubar: Wolle ist erneuerbar, frei von Mikroplastik und zersetzt sich am Lebensende innerhalb weniger Jahre.
Merinowolle nutzen wir vor allem für Strick – Pullover, Strick-Shirts, Cardigans. Leichtere Wollgewebe (Cool Wool) kommen dort zum Einsatz, wo Hosen oder Kleider einen ruhigen, edlen Fall erhalten sollen.
Pflege von Wolle und Merinowolle
Wolle braucht weniger Wäsche, als viele denken – Lüften reicht oft aus. Wenn Waschen nötig ist:
- auf links drehen,
- wollgeeignetes Waschmittel ohne Enzyme und ohne Weichspüler verwenden,
- kaltes oder lauwarmes Wasser (meist bis 30 °C), Wollprogramm oder Handwäsche.
Getrocknet wird Wolle am besten liegend, um Form und Struktur zu erhalten.
Leinen – kühl, robust und charakterstark
Leinen entsteht aus den Fasern der Flachspflanze. Es gilt als eine der ältesten Textilfasern und spielt heute eine wichtige Rolle in der nachhaltigen Mode.
Eigenschaften von Leinen
- atmungsaktiv und kühlend: Leinen nimmt Feuchtigkeit auf, gibt sie schnell wieder ab und fühlt sich auch bei höheren Temperaturen angenehm an.
- robust: Leinenfasern sind sehr widerstandsfähig und langlebig.
- charakteristischer Fall: Leinen hat eine leicht körnige Oberfläche und entwickelt den typischen, feinen Knitterschliff.
- ressourcenschonend: Flachsanbau benötigt vergleichsweise wenig Wasser und kommt mit geringem Chemikalieneinsatz aus.
Leinen nutzen wir für Hosen, Culottes, Shorts, Tops und Kleider, die bei Wärme ruhig und strukturiert bleiben sollen.
Bio‑Baumwolle – vertraut, vielseitig, ruhig
Bio‑Baumwolle entsteht aus Baumwollpflanzen, die ohne synthetische Pestizide, chemische Düngemittel und gentechnisch veränderte Samen angebaut werden. Zertifizierungen wie GOTS sichern viele dieser Standards ab.
Eigenschaften von Bio‑Baumwolle
- weich und hautfreundlich: ideal für sensible Haut, da deutlich weniger chemische Rückstände im Stoff verbleiben.
- atmungsaktiv: lässt Luft zirkulieren und nimmt Feuchtigkeit auf – geeignet für Shirts, Blusen, Hemden und Alltagsstücke.
- pflegeleicht: in der Regel bei 30 °C waschbar, verträgt regelmäßigen Alltagseinsatz.
- umweltfreundlicher Anbau: im Vergleich zu konventioneller Baumwolle reduziert Bio‑Baumwolle Wasserverbrauch und Chemikalieneinsatz deutlich.
Wir nutzen Bio‑Baumwolle überall dort, wo viel Bewegung im Alltag ist: Shirts, Blusen, leichtere Hosen – Teile, die oft im Einsatz sind.
Viskose, Modal und Lyocell (TENCEL™) – weiche Zellulosefasern
Viskosefasern gehören zur Gruppe der regenerierten Zellulosefasern. Die Basis ist pflanzlich – meist Holz – das zu Zellulose aufbereitet wird. Je nach Herstellungsverfahren und Prozess tragen die Fasern unterschiedliche Namen.
- Viskose: hergestellt über ein klassisches Viskoseverfahren – weich, fließend, vielseitig, mit höherem Chemikalieneinsatz im klassischen Prozess.
- Modal: eine weiterentwickelte Viskose, oft aus Buchenholz, mit verbesserter Festigkeit und höherer Formstabilität.
- Lyocell/TENCEL™ Lyocell: Zellulosefaser, bei der ein anderes, meist geschlosseneres Lösungsmittelverfahren zum Einsatz kommt; TENCEL™ von Lenzing steht für klar definierte Standards und Prozesse.
Eigenschaften von Viskose, Modal und Lyocell
- weicher Fall: alle drei Fasern haben einen fließenden, oft kühl wirkenden Griff, ideal für Blusen, Kleider, Hosen mit Bewegung.
- angenehmes Tragegefühl: sie liegen weich auf der Haut, oft mit einer leichten Kühle.
- gute Farbwiedergabe: Farben wirken häufig satt und ruhig.
- Lyocell/TENCEL™: gilt als besonders ressourcenschonend unter den Viskosefasern, da das Verfahren in vielen Fällen mit geschlossenen Kreisläufen und kontrollierten Ressourcen arbeitet.
Wir nutzen Viskose, Modal und Lyocell vor allem dort, wo fließende Bewegungen gefragt sind: in Hosen mit weichem Fall, Kleidern, Tops und Blusen, die sich leicht über den Körper legen.
Pflege von Viskose, Modal und Lyocell
Diese Fasern mögen es sanft:
- Waschen bei niedrigen Temperaturen (30 °C),
- mildes Waschmittel,
- kein starkes Schleudern, um Faserbruch zu vermeiden,
- am besten hängend oder liegend trocknen, je nach Gewicht und Konstruktion.
Bei korrekter Pflege behalten sie lange ihren Fall und ihre Oberfläche.
Baumwolle ist keine Wolle – und anders herum
Baumwolle und Wolle werden im Alltag häufig verwechselt – sind aber grundverschieden.
- Baumwolle ist eine Pflanzenfaser. Sie wächst in Kapseln an der Baumwollpflanze, wird geerntet, gereinigt und zu Garn gesponnen. Sie fühlt sich textil „trocken“ an, nimmt Feuchtigkeit auf, ohne so stark zu isolieren wie Wolle.
- Wolle ist eine Tierfaser. Sie stammt von Schafen (oder anderen Tieren) und wächst als Faser auf der Haut. Sie ist gekräuselt, elastisch, temperaturregulierend und kann auch im feuchten Zustand wärmen.
Baumwolle ist also keine Wolle, und Wolle ist keine Variante von Baumwolle. Sie unterscheiden sich in Herkunft, Struktur, Verhalten und Pflege. Wenn auf einem Etikett „100% Baumwolle“ steht, ist kein Anteil Wolle enthalten – und umgekehrt.
Für Deinen Kleiderschrank bedeutet das:
- Baumwolle eignet sich besonders für Alltagsstücke, die oft gewaschen werden.
- Wolle – insbesondere Merinowolle – eignet sich für Schichten, die Temperatur ausgleichen und seltener gewaschen werden müssen.
Beide Fasern können sich sinnvoll ergänzen, spielen aber unterschiedliche Rollen.
Materialwahl bei NNIstudio: bewusst, nicht zufällig
Material ist bei NNIstudio kein nachträglicher Schritt. Bereits beim Entwurf eines Teils überlegen wir, welche Faser den Charakter am besten trägt – und wie sie sich in Produktion, Pflege und Reparatur verhält.
Wir wissen: Kein Material ist perfekt. Aber es gibt Qualitäten, die in ihrer Balance aus Tragegefühl, Langlebigkeit und Herkunft besser zu dem passen, wie wir Mode verstehen. Wolle, Merinowolle, Leinen, Bio‑Baumwolle und Viskosefasern wie Modal und TENCEL™ Lyocell gehören für uns dazu.
Eine Frage an Dich
Wenn Du an Deine Lieblingsstücke denkst – aus welchem Material sind sie, und was magst Du daran am meisten?
