Material prägt ein Kleidungsstück. Es bestimmt Tragegefühl, Fall und Pflegeaufwand. Zusammen mit Schnitt und Verarbeitung beeinflusst es auch, wie sich ein Teil im Alltag bewährt.
Bei NNIstudio arbeiten wir mit bewusst ausgewählten Materialgruppen: feinen Wollgeweben wie Cool Wool, mulesingfreier Merinowolle für Strick, Leinen, Bio-Baumwolle und regenerierten Zellulosefasern wie Viskose, Modal und Lyocell. Bei einzelnen Qualitäten verwenden wir TENCEL™ Lyocell von Lenzing. Die genaue Zusammensetzung findest Du beim jeweiligen Produkt.
Jedes Material bringt eigene Stärken mit. Wir wählen es danach aus, was ein Kleidungsstück können soll — und wie es sich beim Tragen anfühlt. Eine kleine Garderobe braucht für uns nicht überall dieselbe Faser. Sie braucht Materialien, die zu ihren Aufgaben passen.
Merinowolle & Wolle — Wärme und Temperaturausgleich
Merinowolle stammt von Merinoschafen. Ihre feinen Fasern können sich besonders weich anfühlen. Wie angenehm ein Kleidungsstück auf der Haut liegt, hängt jedoch auch von der konkreten Faserqualität, dem Garn und der Verarbeitung ab.
Leichte Wollgewebe wie Cool Wool zeigen eine andere Seite des Materials: weniger Volumen und ein klarer, beweglicher Fall. Ob sich ein Wollteil für wärmere Tage eignet, hängt deshalb nicht allein von der Faser ab. Auch Stoffgewicht und Konstruktion spielen eine Rolle.
Eigenschaften von Merinowolle und feiner Wolle
- Wärme und Temperaturausgleich: Wolle kann isolieren und Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen. Wie warm sich ein Teil anfühlt, hängt auch von seiner Dicke und Verarbeitung ab.
- Feuchtigkeitsaufnahme: Wollfasern können Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben. Das kann zu einem angenehmen Trageklima beitragen.
- Geringe Geruchsannahme: Wolle nimmt Körpergerüche vergleichsweise wenig an. Zwischen dem Tragen kann Lüften deshalb häufig ausreichen.
- Feiner Griff: Für unseren Strick wählen wir Merinoqualitäten mit einem angenehmen Hautgefühl. Ob Du Wolle direkt auf der Haut magst, bleibt individuell.
- Natürliche Elastizität: Die Faserstruktur kann die Rückstellung des Materials unterstützen. Wie gut ein Teil seine Form hält, hängt zugleich von Garn, Strickart und Pflege ab.
Merinowolle nutzen wir vor allem für Strick — etwa Pullover, Strickshirts und Cardigans. Leichte Wollgewebe setzen wir dort ein, wo wir einen klaren Fall und Beweglichkeit möchten. Für uns muss Wolle nicht schwer sein, um einem Kleidungsstück Substanz zu geben.
Pflege von Wolle und Merinowolle
Bei Wollkleidung lohnt es sich, vor jeder Wäsche zu prüfen, ob Lüften genügt. Wenn eine Wäsche nötig ist, gelten die Pflegehinweise des jeweiligen Kleidungsstücks. Nicht jedes Wollteil eignet sich für dieselbe Behandlung.
- Drehe das Kleidungsstück vor der Wäsche auf links.
- Verwende ein für Wolle geeignetes Waschmittel und verzichte auf Weichspüler.
- Wähle Handwäsche oder Wollprogramm nur dann, wenn die Pflegekennzeichnung es erlaubt. Beachte die angegebene Temperatur.
- Vermeide Reiben, kräftiges Wringen und abrupte Temperaturwechsel.
Wollstrick trocknest Du in der Regel liegend und behutsam in Form gelegt. Auch hier haben die Hinweise am jeweiligen Stück Vorrang.
Leinen — kühl, strukturiert und charakterstark
Leinen wird aus den Fasern der Flachspflanze gewonnen. Wir schätzen seinen trockenen Griff, seine sichtbare Struktur und die Art, wie es mit dem Tragen lebendiger wird. Die typischen Knitter gehören für uns zum Material — nicht zu etwas, das ständig geglättet werden muss.
Eigenschaften von Leinen
- Angenehm bei Wärme: Leinen kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Gerade in luftigen Geweben fühlt es sich häufig kühl an.
- Festigkeit: Flachsfasern bringen eine hohe Zugfestigkeit mit. Die Haltbarkeit eines Kleidungsstücks hängt zusätzlich von Gewebe, Verarbeitung und Beanspruchung ab.
- Eigene Struktur: Je nach Garn und Gewebe zeigt Leinen eine glatte oder lebendig strukturierte Oberfläche.
- Charakteristische Knitter: Leinen ist wenig elastisch. Seine Falten prägen den entspannten Ausdruck des Materials.
Wir nutzen Leinen für Hosen, Culottes, Shorts, Tops und Kleider. Dabei achten wir darauf, dass Stoffgewicht und Schnitt zusammenpassen. Manche Teile brauchen einen klaren Stand. Andere sollen leicht und beweglich sein.
Aus der Faserbezeichnung allein lässt sich keine pauschale Umweltbewertung ableiten. Dafür wären unter anderem Anbau, Faseraufbereitung, Färbung und weitere Verarbeitung zu betrachten.
Bio-Baumwolle — vertraut und vielseitig
Bio-Baumwolle bezeichnet Baumwolle aus ökologischem Anbau. Dabei gelten Vorgaben unter anderem zum Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie zum Ausschluss gentechnisch veränderten Saatguts. Diese Anbauweise sagt jedoch nicht automatisch aus, wie der fertige Stoff gefärbt oder ausgerüstet wurde.
Eine Zertifizierung wie GOTS umfasst weitere Anforderungen an die textile Verarbeitung. Wir nennen eine solche Zertifizierung nur dort, wo ein entsprechender Nachweis vorliegt. Bio-Baumwolle und ein GOTS-zertifiziertes Kleidungsstück sind nicht dasselbe.
Eigenschaften von Bio-Baumwolle
- Angenehmer Griff: Baumwolle kann sich weich oder eher trocken und griffig anfühlen. Das hängt von Garn, Gewebe und Ausrüstung ab.
- Feuchtigkeitsaufnahme: Baumwolle nimmt Feuchtigkeit auf. Wie luftig ein Stoff ist, hängt wesentlich von seiner Konstruktion ab.
- Vielseitigkeit: Von leichtem Jersey bis zu festeren Geweben bietet Baumwolle unterschiedliche Qualitäten für den Alltag.
- Pflege nach Verarbeitung: Viele Baumwollteile lassen sich gut waschen. Maßgeblich bleiben die Pflegehinweise des jeweiligen Kleidungsstücks.
Wir verwenden Bio-Baumwolle für Stücke, die häufig getragen werden und viel Alltag mitmachen sollen. Uns interessieren dabei der Griff und die passende Stoffqualität — nicht nur die Faser auf dem Etikett.
Die Bezeichnung „Bio“ ist keine Zusage für besondere Hautverträglichkeit oder einen bestimmten Wasserverbrauch. Solche Aussagen brauchen eine eigene, konkrete Grundlage.
Viskose, Modal und Lyocell — fließende Zellulosefasern
Viskose, Modal und Lyocell gehören zu den regenerierten Zellulosefasern. Ihr Ausgangsmaterial ist Zellulose, die häufig aus Holz gewonnen wird. Sie wird aufbereitet und zu neuen Fasern verarbeitet. Die Faserarten unterscheiden sich in ihren Herstellungsverfahren und Eigenschaften.
- Viskose: Sie wird über das Viskoseverfahren hergestellt und kann Stoffen einen weichen, fließenden Fall geben.
- Modal: Diese Faser wird über ein modifiziertes Viskoseverfahren hergestellt. Sie besitzt gegenüber herkömmlicher Viskose eine höhere Festigkeit im nassen Zustand.
- Lyocell: Bei diesem Verfahren wird Zellulose in einem Lösungsmittel gelöst und zu Fasern verarbeitet. Die Rückgewinnung des Lösungsmittels ist ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses.
- TENCEL™: Das ist eine Marke von Lenzing und keine eigene Faserart. Unter dieser Marke werden unter anderem Lyocell- und Modalfasern angeboten.
Eigenschaften von Viskose, Modal und Lyocell
- Weicher Fall: Je nach Garn und Stoffkonstruktion können diese Fasern fließende, bewegliche Stoffe ergeben.
- Angenehmes Hautgefühl: Viele Qualitäten fühlen sich glatt und weich an. Der Griff des fertigen Stoffes hängt auch von seiner Verarbeitung ab.
- Feuchtigkeitsaufnahme: Die Zellulosefasern können Feuchtigkeit aufnehmen und so zum Tragegefühl beitragen.
- Unterschiedliche Festigkeit: Modal und Lyocell besitzen andere Festigkeitseigenschaften als herkömmliche Viskose. Für die Pflege zählt dennoch das gesamte Kleidungsstück.
Wir wählen diese Materialien dort, wo Bewegung und ein weicher Fall zum Entwurf gehören: bei Hosen, Kleidern, Tops und Blusen. Ein Stoff soll dabei nicht einfach nur fließen. Er soll den Schnitt unterstützen und sich im Alltag angenehm tragen lassen.
Für TENCEL™ Lyocell beschreibt Lenzing ein Verfahren mit hoher Rückgewinnung des eingesetzten Lösungsmittels. Diese Angabe bezieht sich auf die Faserherstellung. Sie ist keine pauschale Umweltbewertung des fertigen Kleidungsstücks. Auch weitere Verarbeitungsschritte und mögliche Mischfasern sind zu berücksichtigen.
Pflege von Viskose, Modal und Lyocell
Bei diesen Materialien ist eine schonende Behandlung sinnvoll. Die richtige Pflege hängt von der Stoffkonstruktion, möglichen Mischfasern und der Verarbeitung ab.
- Beachte Waschverfahren und Temperatur in der Pflegekennzeichnung.
- Verwende ein geeignetes mildes Waschmittel.
- Wähle eine schonende Schleudereinstellung, wenn Maschinenwäsche erlaubt ist.
- Ziehe und wringe das nasse Kleidungsstück nicht kräftig.
- Trockne es entsprechend den Pflegehinweisen. Schwere oder dehnungsanfällige Teile brauchen dabei besondere Aufmerksamkeit.
So kannst Du dazu beitragen, dass Oberfläche, Form und Fall lange erhalten bleiben.
Baumwolle ist keine Wolle — und umgekehrt
Die Namen klingen ähnlich. Die Fasern haben jedoch unterschiedliche Ursprünge und Eigenschaften.
- Baumwolle ist eine Pflanzenfaser. Sie wächst als Samenhaar in den Kapseln der Baumwollpflanze und besteht überwiegend aus Zellulose. Sie nimmt Feuchtigkeit auf und ist im Vergleich zu Wolle wenig elastisch.
- Wolle ist eine tierische Faser. Schafwolle besteht überwiegend aus dem Protein Keratin. Ihre gekräuselte Struktur kann Luft einschließen und zur Wärmeisolation beitragen.
Baumwolle ist also keine Variante von Wolle. Beide unterscheiden sich in Herkunft, Struktur, Trageverhalten und Pflege. Steht auf einem Etikett „100 % Baumwolle“, bezeichnet die angegebene Faserzusammensetzung Baumwolle — nicht Schafwolle.
Für Deine Garderobe bedeutet das:
- Baumwolle bietet vielseitige Qualitäten für Kleidungsstücke, die häufig im Alltag getragen werden.
- Wolle kann Wärme und Feuchtigkeit ausgleichen. Zwischen dem Tragen genügt häufig Lüften.
- Die Pflege richtet sich immer nach dem konkreten Kleidungsstück — nicht allein nach dem Fasernamen.
Beide Materialien können sich gut ergänzen. Sie müssen nicht dieselbe Aufgabe erfüllen.
Materialwahl bei NNIstudio: bewusst, nicht zufällig
Material ist bei NNIstudio kein nachträglicher Schritt. Schon beim Entwurf überlegen wir, welche Qualität den Schnitt trägt. Wie fällt sie? Wie fühlt sie sich an? Wie lässt sie sich verarbeiten und pflegen? Können beanspruchte Stellen bei Bedarf nachgearbeitet werden?
Wir wissen: Kein Material erfüllt jede Anforderung gleichermaßen. Eine luftige Leinenhose braucht andere Eigenschaften als ein Merinopullover oder ein klar geschnittener Blazer. Deshalb suchen wir nicht nach einer pauschal „besten“ Faser. Wir suchen nach der passenden Qualität für das einzelne Stück.
Unser Maßstab bleibt: Kleidung entwickeln, die Du gerne trägst und die sich in Deinem Alltag bewährt. Hochwertiges Material ist dafür eine Grundlage. Ein durchdachter Schnitt, sorgfältige Verarbeitung und passende Pflege gehören genauso dazu.
Eine Frage an Dich
Wenn Du an Deine Lieblingsstücke denkst — aus welchem Material sind sie und was magst Du daran besonders?
