Ein Kleidungsstück wirkt von außen oft selbstverständlich. Du siehst den Stoff, den Schnitt und vielleicht ein Detail am Saum oder am Bund. Dann entscheidest Du, ob es zu Dir passt. Was zunächst unsichtbar bleibt, ist der Weg dorthin.

Bei NNIstudio entsteht jedes Teil in mehreren Schritten — mit Aufmerksamkeit für Gestaltung, Verarbeitung und die spätere Nutzung. Dieser Artikel nimmt Dich mit: vom ersten Entwurf im Atelier in Trier bis zum fertigen Kleidungsstück. Unser Ziel ist dabei klar: Kleidung entwickeln, die Du gerne über viele Jahre trägst.

1. Schritt: Die Idee — vom Alltag aus gedacht

Am Anfang steht für uns kein Trend, sondern eine Situation. Eine Hose, die den Tag im Studio und den Abend in der Stadt begleiten soll. Ein Strickpullover für das Büro und das Sofa. Ein Kleid, das sich im Alltag genauso selbstverständlich anfühlt wie bei einem besonderen Anlass.

Aus solchen Situationen entstehen erste Skizzen: Linien, Längen und Proportionen. Dabei stellen wir uns Fragen:

  • Wie soll sich dieses Teil anfühlen — leicht, schützend oder strukturiert?
  • Mit welchen vorhandenen Kleidungsstücken und Schuhen soll es sich kombinieren lassen?
  • Welche Rolle kann es in einer Garderobe übernehmen — Grundlage, Akzent oder Ruhepol?

Wir möchten ein Stück entwickeln, das mehr kann als einen einzelnen Moment. Es soll zu unterschiedlichen Tagen passen und Raum für Deinen eigenen Stil lassen.

2. Schritt: Materialwahl — Tragegefühl, Funktion, Herkunft

Mit der Idee entsteht die Frage nach dem Material. Wir arbeiten unter anderem mit mulesingfreier Merinowolle, hochwertigen Baumwollqualitäten, Leinen, Viskose, Lyocell und ausgewählten Mischgeweben. Bei einzelnen Qualitäten verwenden wir TENCEL™ Lyocell. Welche Zusammensetzung ein Kleidungsstück hat, geben wir beim jeweiligen Produkt an.

Bei der Auswahl betrachten wir mehrere Punkte:

  • Tragegefühl: Wie fühlt sich der Stoff auf der Haut an? Wie fällt er und wie bewegt er sich?
  • Funktion: Braucht der Schnitt einen festen Stand, einen weichen Fall oder eine leichte zusätzliche Schicht?
  • Herkunft: Welche Informationen liegen uns zur Herstellung des Stoffes oder Garns vor?
  • Pflege: Welche Behandlung braucht das Material und passt sie zur vorgesehenen Nutzung?

Eine Faserbezeichnung allein reicht uns für die Auswahl nicht. Wir schauen auf die konkrete Qualität und darauf, wie sie sich verarbeiten lässt. Der Stoff muss zum Entwurf passen — nicht nur auf dem Tisch, sondern auch am Körper.

3. Schritt: Schnittentwicklung — aus einer Idee wird Form

Im Atelier in Trier übersetzen wir den Entwurf in einen Schnitt. Aus Linien und Proportionen entsteht die Grundlage für ein Kleidungsstück, das sich am Körper bewegen soll.

Hier legen wir fest:

  • wie hoch ein Bund sitzt
  • wie viel Weite ein Hosenbein oder ein Ärmel bekommt
  • wie lang ein Top oder ein Kleid fällt
  • wie Ausschnitte, Kragen und Abschlüsse gestaltet werden

Dieser Schritt verläuft selten geradlinig. Wir verändern Linien, vergleichen Varianten und stimmen den Schnitt auf das Material ab. Wenige Millimeter können einen Unterschied machen. Auch die Übertragung auf die vorgesehenen Größen gehört zur Entwicklung.

4. Schritt: Prototypen — das erste Kleidungsstück

Auf Basis der Entwicklung entsteht ein erstes Muster. Jetzt zeigt sich, wie Idee, Material und Form tatsächlich zusammenkommen. Wir probieren das Stück an und prüfen es in Bewegung.

Dabei achten wir auf Details, die auf Fotos kaum sichtbar sind:

  • Fällt der Stoff so, wie wir es vorgesehen haben?
  • Bleibt der Bund beim Sitzen, Stehen und Gehen angenehm in Position?
  • Bietet die Schulter genügend Bewegungsfreiheit?
  • Passt das Verhalten des Materials zum Schnitt?

Auch Pflege und mögliche Veränderungen des Materials beziehen wir in die Entwicklung ein. Welche Prüfungen sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Stoff und Kleidungsstück ab.

Aus unseren Beobachtungen entstehen Anpassungen: etwas mehr Länge, eine andere Weite oder ein veränderter Winkel in einer Naht. Manchmal braucht es mehrere Musterrunden. Wir nehmen uns diese Zeit, weil sich eine gute Passform nicht allein auf dem Papier beurteilen lässt.

5. Schritt: Detailarbeit — Taschen, Nähte, Verschlüsse

Viele Details denken wir bereits beim Entwurf mit. Am Muster können wir genauer prüfen, ob sie ihre Aufgabe erfüllen. Gerade die unauffälligen Lösungen machen im Alltag einen Unterschied:

  • Position und Tiefe der Taschen
  • Art und Länge der Reißverschlüsse
  • Bundlösungen mit Gummizug, Knopf oder Haken
  • Nähte und passende Versäuberungen
  • Säume und Abschlüsse

Eine Tasche soll nicht nur gut aussehen. Du sollst sie auch gerne benutzen. Ein Verschluss soll zum Stoff passen und sich gut bedienen lassen. Unser Ziel ist, dass sich diese Entscheidungen beim Tragen selbstverständlich anfühlen.

6. Schritt: Produktion — kleine Serien in Deutschland

Wenn die Entwicklung abgeschlossen ist, beginnt die Fertigung. Unsere Kleidung entsteht in Deutschland: im eigenen Atelier in Trier und in kleinen Partnerbetrieben bei Köln, in Apolda und im Erzgebirge. Welche Werkstatt beteiligt ist, hängt vom Produkt und der benötigten Verarbeitung ab.

Bei zugeschnittenen und genähten Kleidungsstücken gehören dazu diese Arbeitsschritte:

  • Wir stellen Schnitt, Muster und die erforderlichen Angaben zur Verarbeitung zusammen.
  • Die Stoffe werden entsprechend der geplanten Stückzahl zugeschnitten.
  • Die einzelnen Teile werden genäht und mit den vorgesehenen Details fertiggestellt.
  • Wir prüfen die fertigen Kleidungsstücke, bevor sie in den Verkauf gehen.

Strickteile brauchen einen anderen Fertigungsablauf. Auch hier stimmen wir Form, Garn und Verarbeitung mit dem jeweiligen Betrieb ab.

Unsere Stückzahlen bleiben überschaubar. Das passt zu unserem Maßstab und ermöglicht einen direkten Austausch mit den Menschen, die unsere Kleidung herstellen. Kleine Serien sind dabei eine Beschreibung unserer Arbeitsweise — keine Garantie dafür, dass jedes Stück sofort verkauft wird.

7. Schritt: Anprobieren, Rückmeldungen, Weiterentwicklung

Mit dem fertigen Kleidungsstück endet unsere Aufmerksamkeit für einen Schnitt nicht. Im Store erleben wir, wie unterschiedliche Menschen unsere Teile anprobieren. Rückmeldungen zu Längen, Weiten und Tragegefühl können in die weitere Entwicklung einfließen.

Manche Modelle erhalten später eine neue Version. Dahinter steht für uns die Weiterentwicklung einer vertrauten Form — nicht die Pflicht, für jede Saison etwas vollständig Neues zu schaffen.

Wir möchten bewährte Eigenschaften erhalten und dort genauer werden, wo eine Anpassung sinnvoll ist. Ein Schnitt darf bleiben und sich zugleich weiterentwickeln.

8. Schritt: Pflege und Reparatur — lange Nutzung mitdenken

Wir möchten, dass unsere Kleidung lange getragen wird. Deshalb beschäftigen wir uns schon bei der Entwicklung damit, wie ein Stück gepflegt und bei Bedarf nachgearbeitet werden kann.

  • Wir berücksichtigen die Pflegeanforderungen bei der Materialwahl.
  • Wir geben Hinweise zur passenden Behandlung des jeweiligen Kleidungsstücks.
  • Wir denken mit, welche Nähte, Säume oder Verschlüsse sich bei Bedarf reparieren lassen.

Nicht jede Reparatur ist bei jedem Material gleichermaßen möglich. Wenn Du Unterstützung bei einem NNIstudio Teil brauchst, melde Dich gerne bei uns. Wir helfen nach Möglichkeit mit Reparaturtipps oder passenden Ansprechpartner*innen und schauen, welche Lösung für Dein Stück sinnvoll ist.

Lange Nutzung ist unser Ziel. Wie lange ein Kleidungsstück Dich tatsächlich begleitet, hängt auch von Beanspruchung, Pflege und möglichen Reparaturen ab.

Was dieser Weg für Dich bedeutet

Wenn Du ein NNIstudio Teil in der Hand hältst, hältst Du das Ergebnis vieler Entscheidungen:

  • für ein Material, das zum Schnitt passt
  • für Fertigung in Deutschland
  • für überschaubare Serien
  • für eine Form, die in Deinem Alltag funktionieren soll

Entwicklung, Musterrunden und Abstimmung brauchen Zeit. Diese Arbeit gehört für uns zum Wert eines Kleidungsstücks. Sie zeigt sich nicht immer auf den ersten Blick — aber im Fall des Stoffes, in einer gut platzierten Tasche oder in der Bewegungsfreiheit beim Tragen.

Wir möchten, dass Du nachvollziehen kannst, wie Deine Kleidung entsteht. Und dass aus einem sorgfältig entwickelten Stück eines wird, zu dem Du immer wieder gerne greifst.

Eine Frage an Dich

Welcher Schritt ist Dir bei einem Kleidungsstück besonders wichtig — die Materialwahl, die Passform, der Herstellungsort oder die Möglichkeit, es lange zu tragen und bei Bedarf zu reparieren?